Warum positives Denken unglücklich macht

Die einfachste Lüge der Welt

Wenn es einem schlecht geht, muss man nicht lange darauf warten bis der erste wandelnde Glückskeks einem einredet, dass man an allem selber Schuld hat. Egal an was. Ob es jetzt der 0815-Mensch ist, der sich schlicht und einfach mit deinen Problemen nicht befassen will, weil er mit seinen eigenen schon nicht zurecht kommt und die Frage »Wie geht es dir?« wirklich nicht ernst gemeint hat – im Gegensatz zu dir, oder der übliche Vertreter des Gesetzes der Anziehung, sie haben alle etwas gemein:

Die Verantwortung wird verschoben

Wenn jemanden etwas passiert, ausgelöst durch zum Beispiel eine boshafte Person, so ist in deren Augen nur einer der absolute Schuldige – nämlich derjenige dem es passiert ist! Er hat nicht positiv genug gedacht, nicht genug gewunschen, nicht genug gehofft, nicht genug geglaubt, etc.

Was hierbei allerdings gekonnt übersehen wird, ist die Tatsache, dass man damit demjenigen, den man auch aufmuntern hätte können, weiter deprimiert, sowie ihm auch noch die Schuld umhängt. Denn diese Person wird sich dann nur eines denken:

»Verdammt, ich habe es schon wieder nicht hinbekommen positiv zu denken/genug daran zu glauben/etc.«

Derjenige der den Schaden verursacht hat wird somit absolut von jeder Schuld freigesprochen und wird es übrigens beim nächsten Mal wieder so tun. Es ist jedoch absolut widernatürlich seine Wut zu unterdrücken und daher wird diese Wut auch auf sich selbst gerichtet.

Ein erwünschter Teufelskreis

Und zwar von den Personen die sich am Leid anderer ergötzen, denn die leidende Masse bringt ihnen viel Geld ein. Hier noch schnell ein Buch über das Gesetz der Anziehung geschrieben, hier noch ein weiteres Buch warum es absolut deine eigene Schuld ist, dass es dir so derart schlecht geht. Natürlich wieder mit dem Zwang, du MUSST nur fest genug daran glauben, etc.

Das schlechte Gewissen ist deren Kapital. Und da keiner gerne zugibt, nicht Jesus oder ein anderwärtiger Guru in dieser Preisklasse zu sein, nimmt das Ganze eine gewisse Eigendynamik an. Denn die Menschen um einen herum können dank des falschen Stolzes, welches ihr Ego nährt nicht davon ablassen, andere zu kritisieren, die berechtigterweise Einwände gegen diese Systeme haben. Es hat oftmals den Charakter einer Sekte, denn kein Widerspruch oder unbequeme Frage ist erlaubt, wie zum Beispiel:

»Ok, damit ich das richtig verstanden habe – ich wurde ausgeraubt, weil ich mir das insgeheim alles so gewunschen habe und nicht positiv genug gedacht habe.
Also wie ist das dann mit Kindern in der dritten Welt, oder Kinder die missbraucht wurden, haben die auch nur zu wenig gewunschen oder wie ist das?«

Die Aggressionen die ich bei diesen Fragen erhalte ist phänomenal und zeugt davon, wie wenig positiv diese Menschen in Wirklichkeit sind. Von Mitgefühl rede ich hier gar nicht, denn hier herrscht absolute Fehlanzeige wie bei jeder anderen Sekte auch – nur, dass es die hier nicht einmal in gespielter Form gibt.

Aber was soll ich stattdessen tun

Ich komme hier mit einem Ansatz den ich selbst erst lernen musste:
Es gibt kein positiv oder negativ. Das sind Konstrukte die wir uns ausgedacht haben. Warum nicht neutral oder alternativ denken? Wieso sich selbst belügen?

An erster Stelle sollte die Wut auf keinen Fall unterdrückt werden. Schreibe sie nieder, schreie, laufe, schnaube, lass den Druck raus, denn alles was du nicht raus lässt, kommt rein und wird sich eines Tages an dir rächen! Somit hat man zwar schon mal gegen die Regeln der positiv-denk-Zombies verstoßen, aber man will ja besser damit umgehen lernen. Wir könne die Dinge ja ohnehin nicht ungeschehen machen, auch nicht mit nicht existierenden Gesetzen und schon gar nicht, indem wir uns selbst unter Druck setzen und uns die Schuld dafür geben.

Dinge passieren. Wir können das nicht ändern. Und ich lade dazu ein, von nun an zu überlegen wieso das gut so ist!

Alles hat einen Grund

Ich bin ein klarer Verfechter des Es gibt keinen Zufall! und diese Ansicht kann man sich zunutze machen! Wenn die U-Bahn stecken bleibt, ärgere ich mich, damit die Wut raus kann, notiere ich es mir oder lasse es einen guten Freund wissen ( was praktisch ist wenn man sich mit diesem gerade verabredet hat 😉 ), aber danach – denke ich mir, dass es einen Grund gibt. Statt zu sagen, wie geil, dass mir so eine Scheiße passiert, denke ich mir, dass ich diese Zeit nützen könnte um über etwas nachzudenken. Wer weiß, vielleicht hat die andere Garnitur gerade einen Unfall?

Mir ist das selbst passiert: Vor einigen Jahren in einem sehr strengen Winter hatte ich einen Zug verpasst und mich geärgert. Zum Überfluss fuhr der Zug, den ich danach nahm, irgendwann nicht mehr weiter und es wurde nicht durchgesagt warum. Wir mussten ewig in der Kälte ausharren und die Stimmung wurde schlechter und schlechter. Nachdem ein Schienenersatzbus angefahren war, erfuhren wir den Grund: Der Zug vor uns krachte in einen anderen Zug und es gab viele Verletzte!

Erkennst du den Unterschied? Hätten wir den Grund früher gewusst, hätten wir uns vermutlich eher Sorgen um diese Menschen gemacht und sich gefreut, nicht selbst in dem Zug gewesen zu sein. Dementsprechend, denke dir, dass es vielleicht einen Grund hat, warum Dinge so passieren. Der Unterschied ist der, dass man sich darüber nicht freuen soll, weil das wäre wieder eine Selbstlüge – schließlich ist man ja zu spät zur Arbeit oder was auch immer gekommen. Aber es nimmt den Schmerz – lasst vor allem diese elendige Schuldfrage weg! – und gibt uns wieder die Fähigkeit neutraler zu denken und dadurch wieder die Energie frei um sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Conclusio: Das Leben besteht aus Aktion und Reaktion. Lass hierbei einfach die Schuldfrage weg (wenn es nicht einen eindeutigen Täter gibt!), denn es wird an der Endsituation nichts ändern.

P.S.: Wenn es einen offensichtlichen Täter gibt, wie zum Beispiel einen Partner der schlägt, vergelte! Seine Schläge haben bereits einen Grund und man braucht da nicht auf weitere „hints“ zu warten, als dass es Zeit ist zurückzuschlagen und zu gehen!

In diesem Sinne: Nichts ist wahr, alles ist erlaubt. Probiere aus was Du für spannend hältst, lasse weg, was in Deinen Augen absoluter Humbug ist. Du bist ein freier Mensch, entscheide selbst.

Soror Novus Noxa

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